Was wissen wir heute über den Schlaf?

 

Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. Dank der technischen Errungenschaften der letzten 50 Jahre kann heute im Schlaflabor das Geschehen und die Struktur des Nachtschlafes gut erfaßt und beschreiben werden. Nach dem Einschlafen durchleben wir vier verschiedene Phasen von zunehmender Schlaftiefe. Während dieses Verlaufes verändert sich eine Reihe körperlicher Zustände, u. a. die Körpertemperatur, die Muskelspannung und der Sauerstoffgehalt des Blutes. Im Anschluss an das Schlafstadium vier setzt die so genannte REM-Phase ein, die gekennzeichnet ist durch schnelle Augenbewegungen („rapid-eye-movement") und in der intensives Träumen stattfindet. Ein solcher Schlafzyklus dauert insgesamt ca. 90 Minuten und wiederholt sich je nach Dauer des Schlafes mehrmals.

 

Früher dachte man, dass Schlaf vor allem für die körperliche Erholung von Bedeutung ist, heute ist bekannt, dass er für den geistigen Haushalt mindestens ebenso wichtig ist. So finden Träume nicht nur in den REM-Phasen statt, sondern in unterschiedlicher Qualität während der gesamten Schlafdauer. Während dieser geistigen Aktivität des Gehirns werden Tageserlebnisse bearbeitet, bedeutsame Erfahrungen im Gedächtnis gespeichert und Lösungen für Problemstellungen entworfen. Aus diesen Gründen ist ausreichender Schlaf zentral für seelisches wie körperliches Wohlbefinden.

 

Allerdings kann kein allgemeingültiges „Schlafsoll“ aufgestellt werden. Das Bedürfnis nach Schlaf ist unterschiedlich je nach Person, Alter oder Gewohnheiten. Als Richtwert gilt heute eine Schlafdauer von ca. 7 Stunden. Entsprechend schwierig ist es auch, eine genaue Grenze für ein „Zuwenig“ an Schlaf festzulegen. Man hat sich dafür auf 6 1/2 Stunden geeinigt.

 

Der gestörte Schlaf

 

Die Störungen des Schlafes lassen sich grob einteilen in die vier folgenden Kategorien:

 

  • Insomnien sind dadurch charakterisiert, dass eine Person sich nicht in der Lage sieht, die Dauer und Qualität an Schlaf zu bekommen die sie gerne möchte. Dies kann sich darstellen in Problemen beim Ein- oder Durchschlafen bzw. in frühmorgendlichem Erwachen. Insomnien sind die am meisten verbreiteten Störungsformen und beinhalten die Probleme, die im umgangssprachlichen Verständnis mit Schlafstörung gemeint sind.

 

  • Schlafzwang meint – im Gegensatz zu den Insomnien – ein Zuviel an Schlaf, also die unwiderstehliche Neigung zum Schlafen außerhalb der Hauptschlafenszeit, die sich auch in Schlafattacken äußern kann (Narkolepsie).

 

  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus bedeuten Abweichungen in der zeitlichen Verteilung des Schlafes innerhalb eines 24-Stunden-Tages, die freiwillig gewählt sein können, wie z. B. bei Schichtarbeit oder Zeitzonenwechsel, aber auch durch physiologische oder neurologische Mechanismen bedingt sein können.

 

  • Parasomnien sind Ausdruck einer Aktivierung des Zentralnervensystems, die sich in der Regel über die Skelettmuskulatur oder das autonome Nervensystem äußert. Beispiele hierfür sind Schlafwandeln, Pavor Nocturnus oder Alpträume, die bei partiellem Erwachen oder Stadienwechseln auftreten.

 

Die häufigste Form der Schlafstörung ist, wie gesagt, die Insomnie, also ein Zuwenig an Schlaf über einen längeren Zeitraum, bedingt durch Probleme beim Ein- oder Durchschlafen bzw. durch frühmorgendliches Erwachen. Etwa 25 % der deutschen Bevölkerung sind davon betroffen und fühlen sich in der Folge tagsüber müde und zerschlagen, können sich schlecht konzentrieren und leiden unter gedrückter Stimmung.

 

Wie kommt es zu Schlafstörungen?

 

Körperliche Ursachen für Schlafstörungen liegen nur bei einem geringen Teil der Betroffenen vor (ca. 15 %). In der Regel reicht eine ärztliche Routineuntersuchung aus, um solche somatischen Ursachen abzuklären, und eher in Ausnahmefällen wird eine Untersuchung im Schlaflabor erforderlich (z. B. um eventuelle Störungen der Atmung zu untersuchen, die sog. Schlafapnoe).

 

  • Mehrheitlich ist ein chronisches erhöhtes physiologisches Erregungsniveau für die Schlafstörung verantwortlich. Dies baut sich tagsüber durch belastende Situationen und mangelnde Stressbewältigung auf, bleibt bis in die späten Abendstunden bestehen und wirkt so den Voraussetzungen für Schlaf entgegen.

 

  • Der Schlafmangel und seine Folgen erzeugen neue Sorgen um Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Gesundheit und führen zu einem noch stärkeren Wunsch nach ausreichendem Schlaf. Je größer jedoch das Bemühen ist, den Schlaf zu erzwingen, desto höher ist die Erregung und desto mehr wird der Schlaf beeinträchtigt sein.

 

  • Je hartnäckiger die Schlafstörung wird, desto größer wird oft auch die Versuchung, sich durch Alkohol oder Medikamente Linderung zu verschaffen. Chronischer Missbrauch von solchen Substanzen wikt jedoch negativ auf die Schlafstruktur und trägt somit wiederum zur Aufrechterhaltung der Störung bei.

 

Die Behandlung von Schlafstörungen

 

Zunächst ist es wichtig, genau abzuklären worin die Schlafstörung besteht und welche Bedingungen für die Entstehung und Aufrechterhaltung verantwortlich sind. Des weiteren muss überprüft werden, ob unzutreffende Vorstellungen über die notwendige Schlafdauer und Konsequenzen von vorübergehendem Schlafmangel vorliegen. Schließlich muss vor Beginn der verhaltenstherapeutischen Behandlung gegebenenfalls der Konsum von Schlaftabletten abgebaut werden.

 

Die eigentliche verhaltenstherapeutische Behandlung setzt dann sowohl bei der Schlafsymptomatik als auch am Tageserleben bzw. der Gestaltung der verschiedenen Lebensbereiche an. Körperliche und geistige Entspannung, Veränderung der Schlafumgebung, Schlafeinstellungen und Schlafgewohnheiten, ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus, Stressbewältigung und Ausbau positiver Aktivitäten (z. B. Bewegung, Sport usw.) sind wichtige Bestandteile eines solchen Therapieprogramms.

   
© Psychotherapeutische Praxis Werner Hauer