Beschreibung

 

Im Zentrum der generalisierten Angsterkrankung stehen häufige, lang andauernde Sorgen und Ängste. Der Begriff „generalisiert “bezieht sich darauf, dass die Ängste in vielen Situationen auftreten können und verschiedene Bereiche betreffen (zum Beispiel „Mein Ehemann könnte einen Unfall haben!“, „Ich könnte etwas im Beruf falsch machen!“, „Das Geld könnte nicht ausreichen!“).Die Sorgen sind im Kern durchaus realistisch (zum Beispiel ist es möglich, dass jemand verunglückt oder erkrankt), werden jedoch von den Betroffenen als überaus intensiv und nur schwer kontrollierbar erlebt. Nicht unter die Diagnose generalisierte Angst fallen Sorgen, die sich auf ein konkretes Ereignis bzw. eine Situation beziehen oder Sorgen über eine eigene körperliche oder psychische Erkrankung bzw. deren Folgen.

 

Die Ängste und Sorgen führen zu erhöhter körperlicher Anspannung und einer Übererregung des zentralen Nervensystems. Dies äußert sich in Beschwerden wie z. B. Muskelverspannungen, Schlafstörungen, Unruhe, Nervosität, Müdigkeit und/oder verminderter Leistungsfähigkeit.

 

Etwa 5 % aller Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben einmal an einer generalisierten Angsterkrankung. Damit gehört diese zu den häufigsten psychischen Störungen.

 

Erklärung

 

Generalisierte Angst entwickelt sich, wie andere psychische Erkrankungen auch aus dem zusammenwirken verschiedener individueller Faktoren:

 

  • Faktoren, die die Entstehung begünstigen können: eine gewisse Anlage zur Ängstlichkeit kann vererbt werden. Die jeweilige Lerngeschichte einer Person spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: die Atmosphäre und der Umgang mit Ängsten oder Problemen in der Familie sowie belastende Lebensereignisse (z. B. Krankheit, Unfall, Todesfall in der Familie) können dazu führen, dass ein Mensch ängstlich und mit wenig Selbstvertrauen an Probleme und Anforderungen im Leben herangeht.

 

  • Faktoren, die die generalisierte Angsterkrankung auslösen können: neben länger andauernden Alltagsbelastungen findet man häufig belastende Ereignisse (z. B. Krankheit, Unfall, Trauerfall, Scheidung) oder veränderte Lebensbedingungen (z. B. berufliche Umstrukturierungen, familiäre Veränderungen, Wechseljahre). Ängste und Sorgen sind in diesen Situationen zunächst durchaus begründet. Ab einem bestimmten Punkt werden die Sorgen jedoch zu „Selbstläufern“. Die betreffende Person beginnt, sich über andere Dinge Gedanken zu machen und unter körperlichen Beschwerden zu leiden.

 

  • Faktoren, die die generalisierte Angsterkrankung aufrechterhalten: wir wissen heute, dass die Art und Weise, wie eine Person ihre Umgebung bewertet und wie sie mit ihren Sorgen umgeht, den Ablauf und die Dauer von generalisierten Ängsten beeinflussen. So tendieren betroffene Menschen dazu, Ereignisse oder Hinweise aus ihrer Umwelt als bedrohlich einzuschätzen (z. B. Ein Martinshorn, ein Blick vom Chef, etc.). Selbst das Auftreten ihrer Sorgen bewerten Sie als gefährlich („Ich könnte durch meine Sorgen krank werden“). Die Betroffenen versuchen außerdem, ihre Sorgen zu unterdrücken oder sich durch Grübeln zu beruhigen. Wissenschaftliche Studien haben aber gezeigt, dass es nicht möglich ist, Gedanken „abzuschalten“, im Gegenteil, sie werden dadurch eher noch häufiger. Beim Grübeln über die Sorgen befassen sich die Betroffenen zwar mit ihren Sorgen, denken Sie aber nicht zu Ende. Die Sorgen werden dadurch nicht verarbeitet und können in der nächsten sorgenrelevanten Situation erneut aktiviert werden. Im Alltag versuchen Betroffene sich durch Rückfragen bei anderen Personen zu beruhigen. Auch dies funktioniert nur kurzfristig, bald schon kommen jedoch Zweifel und es schleichen sich neue Sorgen ein („es könnte ja trotzdem…“). Zusätzlich vermeiden die betroffenen Personen sorgenrelevante Aktivitäten und Situationen oder versuchen sich abzulenken. Dadurch schieben Sie Ihre Sorgen jedoch lediglich auf.

 

Behandlung

 

Im Rahmen medikamentöser Behandlung werden Psychopharmaka eingesetzt, die auf das zentrale Nervensystem einwirken. Diese führen oft zu Nebenwirkungen und es kommt beim Absetzen oft zu einem Anstieg der Angst. Eine Verhaltenstherapie bzw. die Kombination von Verhaltenstherapie und Medikamenten führen dagegen in vielen Fällen zu langfristig besseren und stabileren Erfolgen als die alleinige Medikamentengabe. Die wichtigsten Behandlungselemente der Verhaltenstherapie bei generalisierten Ängsten werden kurz angeführt:

  

  • Sorgenkonfrontation wird dann eingesetzt, wenn Sorgen im Mittelpunkt der Problematik stehen. Das Prinzip der Sorgenkonfrontation liegt darin, sich jede einzelne Sorge bis zum schlimmstmöglichen Ausgang hin vorzustellen und die dabei auftretenden Angstgefühle so lange auszuhalten, bis sie im Zuge einer Gewöhnung sinken. Dies führt langfristig zu einer Verringerung von Sorgen und unangenehmen Begleitsymptomen. In Kombination mit der Sorgenkonfrontation lernt der Patient sein Sicherheitsverhalten, d.h. seine Ablenk- und Vermeidungsversuche, im Alltag einzustellen.

 

  • Mithilfe der kognitiven Therapie (= Therapieform, die an den Gedanken, Befürchtungen, Erwartungen, etc. ansetzt) wird eine Veränderung der belastenden Sorgengedanken erreicht. Das Prinzip der kognitiven Therapie lautet: man geht mit seinen Gedanken besser um, wenn man lernt, sich von ihnen zu distanzieren und sie anders zu bewerten.

 

  • Wenn körperliche Beschwerden im Vordergrund stehen, werden Entspannungsverfahren eingesetzt. Mit der angewandten Entspannung, eine Variante der progressiven Muskelentspannung zum Beispiel, lernt die betreffende Person, sich schnell in belastenden Alltagssituationen entspannen zu können.

 

  • Hypnotherapie - 'zu Hause' angewandt als Selbsthypnose - kann auf Dauer zu einer tieferen Entspannung und damit zu einer noch deutlicheren Reduktion der Angst führen.

 

 

   
© Psychotherapeutische Praxis Werner Hauer