Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten körperlichen Beschwerden und sind oft Ursache von Fehlzeiten in der Schule und am Arbeitsplatz. Mehr als 70 % der Menschen geben an, dass Kopfschmerzen in ihrem Leben ein Gesundheitsproblem darstellen. Man unterscheidet symptomatische Kopfschmerzen, die Folge einer anderen Grunderkrankung sind, von primären Kopfschmerzen, bei denen es sich meistens um Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Migräne, oder einer Kombination dieser beiden Formen handelt.

 

Merkmale von Migräne und Spannungskopfschmerz

 

Viele Patienten leiden sowohl unter Migräne als auch unter Spannungskopfschmerz. Um die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können, ist es daher wichtig, die verschiedenen Kopfschmerzformen unterscheiden zu können:

 

 

 

Migräne

Spannungskopfschmerz

     

Lokalisation

meist einseitig

beidseitig

     

Charakter

pulsierend

dumpf-drückend („schraubstockartig“)

Schmerzstärke

mittel bis sehr stark

leicht bis mittel

     

Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit

häufig

kann auftreten

     

Erbrechen

kann auftreten

nein

     

Verstärkung bei körperlicher Routineaktivität

ja

nein

     

Dauer

4 bis 72 Stunden

30 Minuten bis 7 Tage

 

 

Bei ca. 10 % der Migränepatienten geht dem Beginn des Schmerzes eine so genannte „Aura“ voraus, die bis zu 1 Stunde dauern kann. Darunter versteht man Störungen des Sehsinns, Sensibilitätsstörungen und Sprach- oder Gedächtnisstörungen.

 

Kopfschmerzen können auch ein wichtiger Hinweis auf eine organische Störung sein. Sie sollten daher von einem medizinischen Spezialisten abgeklärt werden. Dieses ist besonders wichtig, wenn die Kopfschmerzen neu auftreten oder wenn sich bereits bekannte Kopfschmerzen deutlich verstärken.

 

Entstehung und Aufrechterhaltung

 

Sowohl bei der Erklärung der Migräne wie auch des Spannungskopfschmerzes geht man heute von einer Kombination aus angeborener Reaktionsbereitschaft und bestimmten Auslösefaktoren aus. Wenn diese sog. „Trigger“ hinzukommen, so führt dies bei Migränepatienten bei Überschreiten der „Migräneschwelle“ zu einer Störung der Gehirnaktivität. Häufig genannte Triggerfaktoren sind hormonelle Schwankungen, Änderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, Stress, Licht, Lärm, Alkohol, bestimmte Nahrungsmittel, starke körperliche oder geistige Anstrengung und Wetterwechsel. Beim Spannungskopfschmerz können körperliche Fehlhaltungen als Ursache von Verspannungen zugrundeliegen. Aber auch chronischer Alltagsstress, zwischenmenschliche Konflikte und das Gefühl ständiger Überforderung fördern Verspannungen und führen über eine Veränderung des Hirnstoffwechsels zu einer Erhöhung der Schmerzempfindlichkeit. Entgegen der weit verbreiteten Annahme geht der Spannungskopfschmerz nicht zwangsläufig mit Verspannungen einher. Nur bei etwa der Hälfte der Patienten findet sich eine Verspannung der Kopf- und Nackenmuskulatur.

 

Die Zusammenhänge zwischen Stress und Kopfschmerzen gelten mittlerweile als gesichert. Stress kann dabei sowohl Ursache als auch Folge von häufigen Kopfschmerzen sein.

 

Was viele nicht wissen ist, dass Kopfschmerzen durch Medikamente nicht nur gelindert, sondern dass er durch eben diese (mit-)verursacht werden kann. Man spricht dann von einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch. Bei chronischen Kopfschmerzen besteht bereits ab einer Kopfschmerz-Medikamenteneinnahme an mehr als zehn Tagen pro Monat über drei Monate hinweg die Gefahr, dass sich ein medikamentenbedingter Kopfschmerz entwickelt. Gewissheit kann letztlich nur ein vollständiges Absetzen der Medikamente bringen, das nicht selten eine deutliche Erleichterung der Kopfschmerzen bewirkt.

 

Psychologische Kopfschmerztherapie

 

Die meisten Menschen bekommen ihre Kopfschmerzen selbst in den Griff – durch Ruhe und Ausspannen und z. T. die Einnahme handelsüblicher Schmerzmedikamente. Treten Kopfschmerzen jedoch sehr häufig auf und sind mit einem hohen Leidensdruck verbunden, so sollte neben dem Einsatz einer medikamentösen Prophylaxe das Erlernen nichtmedikamentöser Strategien zur Kopfschmerzbewältigung ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

 

Folgende Ansätze der Verhaltenstherapie haben sich als besonders wirksam erwiesen:

 

Biofeedback

 

Beim Biofeedback werden unbewusst ablaufende Körperprozesse, die das Kopfschmerzgeschehen mit bedingen, der bewussten Wahrnehmung und Kontrolle zugänglich gemacht. Der Patient erhält die Rückmeldung zu den ablaufenden körperlichen Veränderungen über visuelle oder akustische Signale und lernt diese gezielt zu beeinflussen.

 

Entspannungstherapie

 

Systematisches Entspannungstraining senkt die Schmerzempfindlichkeit, löst Verspannungen und steigert das Wohlbefinden. Besonders bewährt hat sich die progressive Muskelentspannung. Hierbei trainiert der Patient durch gezieltes An- und Entspannen einzelner Muskelgruppen die Wahrnehmung von Verspannungen und deren Lösung. Ziel ist, die Entspannungsreaktion so weit zu automatisieren, dass Sie erfolgreich in Stresssituationen eingesetzt werden kann.

 

Stressbewältigungstraining

 

Im Stressbewältigungstraining geht es um die Einsicht in Zusammenhänge zwischen den Kopfschmerzen und eigenen Denk- und Verhaltensweisen und deren schrittweisen Veränderung. Der Patient erlernt beispielsweise Strategien, wie er in Belastungssituationen weniger emotional reagieren kann.

 

Letztlich muss die Behandlung von Kopfschmerzen immer unter Berücksichtigung körperlicher, seelischer und sozialer Faktoren erfolgen. Eine Zusammenarbeit zwischen Verhaltenstherapeut und ärztlichem Spezialisten ist daher sinnvoll.

 

Die Chancen der deutlichen Besserung liegen bei allen dargestellten psychologischen Therapieverfahren bei 40-60 %. Realistisches Ziel ist in der Regel nicht die Schmerzfreiheit, sondern die Reduktion des Schmerzes und der schmerzbedingten Beeinträchtigungen der Lebensqualität.

   
© Psychotherapeutische Praxis Werner Hauer