Depressionen gehören zu den am häufigsten auftretenden psychischen Problemen. Sie sind den meisten Menschen im Sinne gedrückter Stimmung, Niedergeschlagenheit  oder Mutlosigkeit und Verzweiflung zumindest teilweise vertraut. Allerdings ist nicht jede gelegentlich auftretende Mutlosigkeit, Trauer oder Niedergeschlagenheit behandlungsbedürftig. Erst wenn diese Gefühle über einen längeren Zeitraum auftreten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sollte eine professionelle Unterstützung in Erwägung gezogen werden.

 

Beschreibung der Depression

 

Hauptmerkmale klinischer Depression sind stark gedrückte Stimmung, Grübeleien, Interessenverlust sowie Verlust der Antriebsenergie, Passivität und sozialer Rückzug.

 

Kognitive (gedankliche) Merkmale 

 

Es treten Veränderungen der Wahrnehmung, des Denkens und des Gedächtnisses auf, d.h., dass u.a. die Konzentrationsfähigkeit und die Erinnerung beeinträchtigt sind. Patienten denken, dass sie selbst wertlos sind, dass sich Dinge niemals zum Besseren wenden werden und sie erwarten überdies eine Verschlechterung für die Zukunft. Die Aufmerksamkeit wird vorwiegend auf negative Aspekte des Lebens gerichtet und positive Dinge des Alltags können kaum gesehen oder geschätzt werden. Dabei muss es sich nicht ausschließlich um Gedanken handeln, sondern es können durchaus auch innere Bilder oder Phantasieren der genannten Inhalte beherrschend werden.

 

Soziale und Verhaltensmerkmale

 

Sozialer Rückzug und Abnahme sozialer Aktivitäten und Beziehungen führen zur Verlust von mitmenschlicher Zuwendung und Bestätigung. Da betroffene Menschen dazu neigen, häufiger über Ihre eigene Befindlichkeit oder körperliche Beschwerden zu klagen oder auch zu weinen, ziehen sich Menschen aus dem sozialen Netzwerk – z. T. auch nach einer Phase erhöhter Hilfsbereitschaft –  resigniert zurück.

 

Biologische, körperliche Merkmale

 

Diese beinhalten Schlafstörungen (Schwierigkeiten einzuschlafen und frühes Erwachen), Appetitlosigkeit, Verluste sexuellen Interesses und Abnahme entsprechender Aktivitäten sowie eine andauernde Müdigkeit und Antriebslosigkeit im Tagesverlauf.

 

Beispiel: Frau B ist verzweifelt darüber, dass sie ihre Arbeit in einem Steuerbüro einfach nicht mehr schafft. Sie erwartet, jeden Tag die Kündigung zu bekommen. Sie könne sich einfach nicht konzentrieren. Es sei ohnehin ein Fehler gewesen, die Ausbildung zur Steuerfachgehilfin gemacht zu haben, da sie dafür zu dumm sei. Und sie habe ihr Leben verpfuscht und sei hoffnungslos bezüglich der Zukunft und wie es mit ihr weitergehe. Sie erledigt so gut es geht ihre Arbeit, zieht sich danach in ihre Wohnung zurück und grübelt über Ihre eigene Unzulänglichkeit. Die Beziehung zu dem Freund, der entfernt wohnt, wird durch die massiven Klagen und selbst Bewertungen zunehmend belastet.

 

Man geht davon aus, dass sich bei rund 21 % der Frauen und 13 % der Männer während ihres Lebens eine Depression von solchem Ausmaß entwickelt, dass diese behandlungsbedürftig ist. Charakteristisch ist auch das gemeinsame Vorkommen von Depressionen mit Gefühlen der Angst, des Ärgers und der Feindseligkeit. Bei rund 10 % der Patienten geht Alkohol- und/oder Medikamentenmissbrauch mit der Depression einher. 

 

Entstehung und Aufrechterhaltung

 

Biochemische Basis

 

Bei depressiven Störungen kann immer auch ein biochemischer Faktor eine wichtige Rolle spielen; eine ererbte Anfälligkeit (Häufung im familiären Umfeld) und dementsprechende Verletzlichkeit ist anzunehmen. Diese Verletzlichkeit kann durch ein besonderes Lebensereignis (z. B. Verluste verschiedenster Art), aber auch durch eine Häufung dauernder Belastungen aktiviert werden und sich dann in einer akuten Depression zeigen.

 

Individuelle Basis

 

Ein wichtiger Faktor depressiver Störungen ist in problematischen Denkmustern zu sehen. Diese beinhalten eine Verzerrung oder Übertreibung negative Entwicklungen und zudem entsprechender Schlussfolgerungen aus kritischen Lebensereignissen (z. B. Verlusterlebnisse wie Tot, Scheidung, Umzug). Ganz allgemein zeigt sich im depressiven Denken eine negative Sicht von sich selbst, der Umgebung und der Zukunft („ich bin nichts wert“, „ich bin für meine Partner nur eine Last“, „was soll aus mir bloß werden?“).

 

Soziale Basis

 

Diese kann in dauerhaften ungelösten Konflikten ebenso liegen, wie in mangelnder sozialer Fertigkeit im Kontakt mit anderen Menschen. Eine Schnittmenge mit der individuellen Basis ergibt sich, wenn bestimmte kulturell erwartbare Lebensübergänge (vom Kind zum Erwachsenen, vom Paar zur Elternschaft, vom Berufstätigen zum Rentner etc.) nicht angemessen bewältigt werden. Aber auch der zunehmende Verlust sozialer Kontakte und das Ausbleiben sozialer Bestätigung spielen eine enorm wichtige Rolle.

 

Prinzipien psychologischer Therapie

 

Zwei Verfahren haben sich in den letzten Jahren als besonders effektiv in der Behandlung von Depressionen erwiesen: kognitive Verhaltenstherapie und interpersonelle Therapie.

 

Bei der Kognitiven Verhaltenstherapie geht es vorrangig um

 

Aktivitäten Planung zur Strukturierung des Alltags, unter Einschluss von Aktivitäten, welche die soziale Eingebundensein wiederherstellen, sowie der

 

Veränderung der Denkmuster in aktuellen Situationen ebenso wie negativer über dauernder Überzeugungen.

 

Bei der Interpersonellen Therapie geht es hingegen um die Bearbeitung von Themen

 

der unbewältigten Trauer nach einem Verlusterlebnis,

 

dauerhafter Konflikte im sozialen Umfeld,

 

unbewältigter Lebensübergänge sowie

 

mangelnder sozialer Fertigkeiten.

 



   
© Psychotherapeutische Praxis Werner Hauer